Evangelische Kirchengemeinden Griesheim und Nied

Kirche zwischen Main und Nidda


Vertrauen ist besser

Dürfen Evangelische an der katholischen Eucharistie und Katholische am evangelischen Abendmahl teilnehmen? Im Vorfeld des Ökumenischen Kirchentags im Mai gibt es dazu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vatikan und Frankfurt.

Zwischen zahlreichen evangelischen und katholischen Gemeinden gibt es eine über Jahrzehnte gelebte Ökumene. Wo früher Abgrenzung herrschte, ist Gemeinschaft im Glauben an Christus gewachsen. Viele sind dafür dankbar und sehnen sich danach, Gemeinschaft auch am Tisch des Herrn bei Abendmahl und Eucharistie zu erleben.

Der renommierte Ökumenische Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen (ÖAK) hat dafür im September 2019 einen Vorschlag gemacht. Er kommt in seiner Studie „Gemeinsam am Tisch des Herrn“ zu dem Schluss: Christus lädt ein. Das ist der gemeinsame Grund für die katholische Eucharistie - ebenso wie für die evangelische Abendmahlsfeier. Deshalb können beide Konfessionen ihre unterschiedlichen Mahlfeiern als Ausdruck der Gemeinschaft mit dem gegenwärtigen Christus verstehen.

Vorbehalte kommen aus Rom. Kardinal Ladaria, Leiter der Glaubenskongregation imVatikan, hat den Vorstoß des ÖAK zurückgewiesen. Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Ökumene-Rates, sekundiert in einem offenen Brief. Er hinterfragt nicht nur die Studie des ÖAK. Er benennt zudem kritische Punkte aus der Abendmahlspraxis der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Er wählt die EKHN als Beispiel, weil sie eine der Gastgeberinnen des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt vom 12. bis 16. Mai 2021 ist.

Eine Gruppe von neun Frankfurter evangelischen wie katholischen Theologinnen undTheologen, darunter die beiden Stadtdekane Johannes zu Eltz und Achim Knecht,  haben auf die Kritik von Kardinal Koch geantwortet. „Vertrauen ist besser“ lautet der Titel ihrer Stellungnahme vom 20. Februar 2021. Für sie ist die Frage entscheidend: Besteht wechselseitig das Vertrauen, dass das Abendmahl ebenso wie die Eucharistie ein Mahl am Tisch des Herrn ist?

In der Stellungnahme schreiben sie: „Wir Frankfurter Christinnen und Christen haben dieses Vertrauen in den vergangenen Jahren gewonnen und gestärkt. Es ist auch unter den leitenden Verantwortlichen der Kirchen so weit gewachsen, dass wir wechselseitig an Eucharistie und Abendmahl teilnehmen können.“

Die Anfragen, die Kardinal Koch stellt, nehmen die Unterzeichnenden von „Vertrauen ist besser“ ernst. Sie verstehen sie als Auftrag zur ökumenischen Selbstprüfung. Sie dürften aber kein Hindernis dafür sein, „dass wir uns von Christus als Gäste am Tisch des Herrn eingeladen wissen dürfen“.

Georg Bätzing, katholischer Bischof von Limburg, hat in einem Brief vom 1. März 2021 an die Priester in seinem Bistum geschrieben. „Ökumenisch sensibel“ mögen die Priester beim ÖKT vorgehen, sagt Bischof Bätzing. Willkommen heißen solle man es, wenn Christinnen und Christen anderer Konfession an der Eucharistiefeier aktiv teilnehmen wollen. Zur Kommunion in dieser Feier werde nach katholischem Brauch allgemein weder ein- noch ausgeladen. Aber: „Die Voraussetzung für einen würdigen Empfang der eucharistischen Gaben ist für Katholiken wie Nicht-Katholiken die Prüfung des eigenen Gewissens“. Das ist Freiraum, in dem verantwortungsvolle Christenmenschen sich bewegen können.

Anne-Katrin Helms, Pfarrerin in Oberrad


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